Weniger CO2-Ausstoß und spritsparende Flugzeuge 

Die Luftfahrt kämpft um ein umweltfreundliches Image. Dabei ist die Branche auf gutem Weg. Problematisch ist jedoch nicht die Technik - sondern das Wachstum.

Die Luftfahrt kämpft um ein weniger dramatisches Umweltimage. Das Problem ist jedoch nicht die Technik, denn Ingenieure entwickeln immer zukunftstauglichere Flugzeuge mit sparsamen und umweltfreundlicheren Triebwerken. Das Problem ist die Anzahl der Flüge. Die steigt nämlich. Bis 2050 soll die Zahl der Flugbewegungen allein in Europa von zurzeit knapp zehn Millionen auf 25 Millionen pro Jahr steigen. Schätzungen der Europäischen Union beziffern das weltweite Aufkommen bis dahin auf 16 Milliarden Passagiere.

Der Luftverkehr ist nur für rund zwei Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstoßes verantwortlich. Trotzdem gilt die Branche als Umweltsünder, obwohl sie pro Sitzplatzkilometer betrachtet immer effizienter wird. Das belegt jetzt auch der jüngste Index der Klimaschutzorganisation Atmosfair.

Luftverkehr wird immer effizienter

Demnach haben die Fluggesellschaften die CO2-Emissionen pro Passagier und Kilometer weltweit um 1,3 Prozent gesenkt. Doch da die Branche zugleich um 4,8 Prozent zulegte, stiegen die Emissionen insgesamt um 3,5 Prozent. "Die Industrie ist aufgewacht und setzt Akzente - aber aus reiner Umweltsicht ist das nicht genug", sagt Atmosfair-Geschäftsführer Dietrich Brockhagen.

Die europäische Staatengemeinschaft versucht, erste Weichen zur Begrenzung der Flugzeug-Abgase zu stellen. Als europäischer Alleingang ist der angestrebte Emissionshandel allerdings hoch umstritten und wurde zuletzt wieder abgeschwächt. International hat sich die Branche zudem ohnehin bereits selbst strikte Klimaziele gesetzt.

Umweltschützer sehen der Umsetzung skeptisch entgegen, die Zahlen - auch die aktuellen von Atmosfair - sprechen aber für die Branche. So sind die deutschen Fluggesellschaften in Sachen weniger CO2-Ausstoß bereits erfolgreich: 1990 benötigte ein Flugzeug noch durchschnittlich 6,3 Liter pro Passagier und 100 Kilometer. Im vergangenen Jahr verbrauchten die deutschen Flugzeuge durchschnittlich nur 3,68 Liter Kerosin auf der gleichen Strecke. Das sind 42 Prozent weniger. "Ein neuer Effizienzrekord", so der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL).

2012 lag der Anteil des innerdeutschen Luftverkehrs an den gesamten CO2-Emissionen in Deutschland bei 0,23 Prozent. "Dieser Anteil konnte im Vergleich zu 1990 um 18 Prozent gesenkt werden, obwohl der innerdeutsche Luftverkehr im selben Zeitraum um 63 Prozent gewachsen ist", sagte BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch. Zudem liege die Fliegerauslastung in Deutschland mit 81,3 Prozent über dem Schnitt.

Die Deutsche Lufthansa etwa hat im September ein spritsparendes Startverfahren eingeführt. Außerdem investiert die Airline gerade Milliarden Euro in die Beschaffung sparsamer neuer Flugzeuge. Dennoch landete sie im Atmosfair-Ranking der 193 weltgrößten Airlines nur im Mittelfeld auf Rang 72. Atmosfair moniert, dass die Airline auf einigen Strecken noch immer ineffiziente Flugzeugmodelle einsetze.

Die bessere Auslastung in Kombination mit modernem Fluggerät brachte dem in Hannover ansässigen Ferienflieger TuiFly im weltweiten Atmosfair-Ranking erneut Platz zwei ein - in seiner Klasse der Charterflieger ist er sogar Weltspitze. Anders als die Lufthansa muss er aber auch keine Zubringerflüge oder Plätze für First Class- oder Business-Kunden vorhalten.

Quelle: airliners, 10.11.2014