US-Notenpresse läuft zum Jahreswechsel wieder auf Hochtouren 

Die amerikanische Notenbank wirft im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Wachstumsschwäche zum Jahreswechsel erneut kräftig die Notenpresse an.

Wie Reuters berichtete, mahnte US-Notenbank-Chef Ben Bernanke jedoch, dass sich die Federal Reserve von ihrer extrem konjunkturstimulierenden Geldpolitik lösen müsse – bereits bevor das Endziel der Vollbeschäftigung erreicht werde. Allerdings werde die Fed auch nicht zu schnell vom Gas gehen: "Wir sind keineswegs auf Autopilot. Sollte nur einer der Schwellenwerte erreicht werden, heißt das noch nicht, dass automatisch die Unterstützung für die Konjunktur zurückgefahren wird", so Bernanke.

Massiver Kauf von Staatsanleihen und Immobilienpapieren
Ab Januar will die Fed monatlich für 45 Milliarden US-Dollar Staatsanleihen kaufen und setzt zusätzlich den im September begonnen Aufkauf bestimmter Immobilienpapiere in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar monatlich fort. Der Dow Jones und die Nasdaq prolongierten ihre Rally der vergangenen Tage, der US-Dollar gab nach.

6,5 Prozent Arbeitslosenrate als Ziel
Die US-Notenbanker setzten überraschend früh auch konkrete Zielmarken, die sie mit ihrer Geldpolitik anpeilen: Der Leitzins – seit vier Jahren bei quasi null Prozent – soll so lange nicht steigen, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent sinkt und auf Sicht von ein bis zwei Jahren eine Inflationsrate von höchstens 2,5 Prozent erwartet wird. Die Fed hatte bisher stets erklärt, dass der Schlüsselzins wohl nicht vor Mitte 2015 wieder erhöht werde.

Rücknahme des Stimulus erst bei ernsthaften Fortschritten
Gemäß den am Mittwoch veröffentlichten neuen Konjunkturprognosen rechnet Bernanke erst 2015 damit, dass die Arbeitslosenquote wieder auf Werte zwischen 6,0 und 6,6 Prozent fällt. Daher müssten erst wirklich ernsthafte Fortschritte erkennbar sein, bevor die Fed über eine Rücknahme des Stimulus nachdenken könne. "Wir erwarten, dass wir mit dem Wertpapierkäufen so lange weiter machen, bis wir tatsächlich eine substanzielle Aufhellung des Ausblicks für den Arbeitsmarkt erkennen können – und das in einem Umfeld niedriger Inflation", erklärte der Fed-Chef.

Die US-Arbeitslosenrate lag zuletzt mit 7,7 Prozent jedoch weit entfernt vom angepeilten Ziel. Diese war zwar zuletzt gesunken war, doch Experten gehen davon aus, dass der Grund dafür darin liegt, dass immer mehr Amerikaner die Suche nach einem neuen Job ganz aufgeben haben. Die Federal Reserve muss im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank (EZB), die ausschließlich das Ziel eines stabilen Preisniveaus verfolgt, wegen ihres gesetzlichen Auftrages auch dafür sorgen, dass möglichst Vollbeschäftigung herrscht.

Quelle: Fonds professionell, 13.12.2012