Studie: Betriebsrenten lohnen sich nicht 

Eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) gilt unter Experte als eine sehr gute Möglichkeit, privat für den Lebensanbend vorzusorgen. Das staatliche geförderte Modell sieht dabei vor, dass Arbeitnehmer einen Teil des Bruttolohnes in eine bAV-Rente einzahlen und durch das geringere zu versteuernde Bruttogehalt steuerliche Vorteile erzielen. Mittlerweile nutzen mehr als fünf Millionen Menschen das Angebot, das nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) nicht rentable sei. Die SZ beruft sich dafür auf eine Studie des Bamberger Professors für soziale Sicherung, Ulrich-Arthur Birk, der zu dem Schluss komme, dass für Beschäftigte, die, gesetzlich krankenversichert, nach 2005 einen Vertrag unterschrieben haben und vom Chef keinen Zuschuss bekommen, die sogenannte Entgeltumwandlung für die Betriebsrente in der Regel nicht rentabel sei.

Nach Angaben der SZ liege das daran, dass das Finanzamt seit 2005 bei den Betriebsrenten stärker zugreife. Der Versorgungsfreibetrag werde seitdem schrittweise abgebaut, und von 2040 an sei die Betriebsrente voll zu versteuern. Zugleich werde sie durch Kranken- und Pflegeversicherung reduziert, weil, anders als bei der privaten Riester-Rente, auf die Betriebsrenten volle Beiträge an die Kranken- und Pflegekasse zu zahlen seien. Hinzu kommen Einbußen bei der gesetzlichen Rente, weil Arbeitnehmer und Arbeitgeber für den Betrag, der in die betriebliche Altersvorsorge fließt, nichts in die Rentenkasse einzahlen.

Beispielrechnung
Unterm Strich bleibe nach den Berechnungen von Birk wenig übrig: Ein gesetzlich krankenversicherter, alleinstehender Durchschnitts-Arbeitnehmer mit 3400 Euro brutto im Monat, der Anfang 2012 eine Direktversicherung bei einem großen deutschen Anbieter abgeschlossen hat und 44 Jahre lang 100 Euro monatlich bis zur Rente mit 67 einzahlt, kommt netto auf eine garantierte Monatsrente von rund 150 Euro. Mit den nicht garantierten Überschüssen wäre es doppelt so viel. Davon sind noch knapp 40 Euro abzuziehen, die er weniger an gesetzlicher Rente erhält. Ein paar Euro mehr hätte der Modell-Rentner herausbekommen, wenn er bei dem Versicherer eine private Rentenversicherung abgeschlossen oder die jeweils 100 Euro für 1,75 Prozent Zinsen auf ein Sparkonto überwiesen hätte.

Wer nicht privat krankenversichert ist und vom Betrieb keinen Zuschuss erhält, solle sich den Abschluss aber gut überlegen, solange Arbeitnehmer in der Auszahlungsphase so schlecht gestellt sind. Der Professor wünschte sich deshalb eine politische Diskussion: „Wir brauchen eine Reform der betrieblichen Altersvorsorge. Sonst verpufft die staatliche Förderung", wird Birk zitiert.

Quelle: Fonds professionell, 21.11.2012