SNB-Chef: Anhebung des Euro-Mindestkurses "nicht ausgeschlossen" 

Thomas Jordan, Präsident der Schweizer Nationalbank (SNB), verteidigt den Euro-Mindestkurs und würde notfalls auch eine Anhebung nicht ausschließen.

Der deutsche Ökonom Peter Bofinger ließ kürzlich mit seinem Vorschlag aufhorchen, den Euro-Mindestkurs auf 1,35 anzuheben. Offensichtlich ist dieses Thema auch für SNB-Chef Thomas Jordan nicht undenkbar. Auf die Frage, ob die Nationalbank bei einem drohenden Absturz der Schweizer Wirtschaft mit einer Euro-Mindestkursanhebung – beispielsweise auf 1,30 Franken – reagieren würde, meinte Jordan im Interview mit der "Basler Zeitung": "Wir haben stets betont, dass wir zusätzliche Maßnahmen nicht ausschließen, falls dies nötig wäre."

"Keine Inflationsanzeichen in der Schweiz"
Nachdem die Wirtschaftslage bei Einführung des Mindestkurses vor rund einem Jahr deutlich besser war als derzeit, ist dies für Jordan "vor allem ein Grund, den Mindestkurs beizubehalten". Die schwache Weltkonjunktur und die schwierige Situation für die dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Sektoren der Schweizer Wirtschaft würden ihn darin bestärken. "Zumal wir keine Inflationsanzeichen in der Schweiz haben", so der SNB-Präsident gegenüber der "Basler Zeitung".

"Unsere Geldpolitik wird international gut verstanden"
Mit einem Anschwellen der bereits vorhandenen Kritik im Ausland an der Mindestkurspolitik rechnet Jordan nicht, "denn unsere Geldpolitik wird international gut verstanden." Diese lege die monetären Bedingungen fest, die für die Schweiz adäquat seien und so eine massive Überbewertung des Frankens teilweise korrigiere. "Wir waren im Spätsommer 2011 in einer Situation, in der die Nominalzinsen bei null angelangt waren und selbst dann akute deflatorische Risiken bestanden. In dieser Extremlage haben wir den Mindestkurs eingeführt. Hätten wir darauf verzichtet, hätten wir heute eine Deflation, die nicht nur mit einem massiven Konjunktureinbruch, sondern auch mit einer Zerstörung wesentlicher Teile der Schweizer Wirtschaft verbunden gewesen wäre", erklärte Jordan.

Quelle: Fonds professionell, 22.11.2012