Schweizer Franken nähert sich der 1,20 – wer gewinnt die zweite Runde? 

Die erste Runde im Verteidigungskampf der Schweizer Nationalbank (SNB) gegen den Devisenmarkt ging ganz klar an die Eidgenossen. Die angekündigte Untergrenze für den Wechselkurs des Euro in Schweizer Franken von 1,20 wurde zu keinem Zeitpunkt signifikant unterschritten.

Allerdings erforderte dieser Kampf auch einen harten Einsatz – sagt Torsten Gellert, Managing Director bei Forex Capital Markets (FXCM). Seine Spuren hinterlassen habe dieser in einer aufgeblähten Bilanz der Schweizer Notenbank, die im September mit 509 Milliarden Schweizer Franken erstmals die Marke von einer halben Billion überschritten hat. Schuld daran sind die Fremdwährungsreserven, die durch die Käufe ausländischer Währungen gegen den Schweizer Franken seit der Installation der Untergrenze von 256 auf 430 Milliarden Schweizer Franken angestiegen sind. 

16,9 Milliarden Franken Gewinn brachten die Transaktionen der SNB nebenbei ein – fast eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr. Allein 10,3 Milliarden entfielen dabei auf die Fremdwährungspositionen, die restlichen 6,2 Milliarden Franken resultierten aus einem Bewertungsgewinn im Goldbestand. "Das legt für mich den Schluss nahe, dass die Devisenhändler um den amtierenden SNB-Präsidenten Thomas Jordan ihr Handwerk verstehen und auch für Runde zwei gut gerüstet sind", so Gellert. 

Abstand des Franken wird immer kleiner

Ein Blick auf die Frage, welche Währungen die Schweizer wann ge- und verkauft haben, zeigt, dass der durchschnittliche Anteil des Euro an den Devisen im Frühjahr von 50 Prozent in der Spitze auf fast 60 Prozent gestiegen ist. Den Anstieg der Gemeinschaftswährung auf dann wieder über die Marke von 1,30 US-Dollar nutzte die SNB, um ziemlich geräuschlos diesen Anteil auf nun wieder 48 Prozent herunterzufahren. Sie kaufte US-Dollar und das Britische Pfund gegen den Euro, um wieder eine nach ihren Worten "gesunde Balance" in ihrem Portfolio herzustellen.

"Aktuell sieht für mich alles so aus, als würde es nicht mehr lange dauern, bis die Glocke für die nächste Runde ertönt. Gerade die Unsicherheit nach den Wahlen in den USA und die damit verbundene Korrektur bei den Risikopapieren sorgten für einen Kapitalfluss in den Schweizer Franken. Verliert der Euro nun weiter zum US-Dollar, was gleichzeitig einhergeht mit einer weiter zunehmenden Risikoaversion der Investoren, gehe ich davon aus, dass auch der Abstand des Franken von der 1,20er Marke immer kleiner wird", erklärt Gellert.

Schweizer sind bereit, Anteil wieder zu erhöhen

"Man sollte dabei aber immer im Auge haben, dass jedes auch noch so kleine Signal – und hier denke ich zum Beispiel an den immer noch ausstehenden Hilfsantrag aus Madrid – welches in Richtung langfristige Lösung der Eurokrise geht, dazu führen kann, dass der Druck vom Euro genommen wird, wie wir es nach der Ankündigung der EZB, unlimitiert Anleihen der Krisenländer zu kaufen, gesehen haben." 

Bleibe noch die Frage zu beantworten, wie die SNB sich in den nächsten Monaten verhält und wie hoch damit das Risiko ist, dass die 1,20er Marke in einer nächsten Runde fällt. Gellert geht davon aus, dass die Schweizer erneut bereit sein werden, einen dann wieder schwächeren Euro zu kaufen und den Anteil auf vielleicht erneut 60 Prozent oder mehr zu erhöhen. Auch vor einer weiteren Ausweitung ihrer Bilanz dürften sie vorerst nicht zurückschrecken, auch wenn die Abhängigkeit von einer anderen Währung, in dem Falle vom Euro Risiken mit sich bringt.

Quelle: Fonds professionell, 16.11.2012