Missverstandenes Russland soll Märkte überraschen 

Russland leidet unter negativer Wahrnehmung der Politik

„Die Wirtschaftsdaten sind stark, Unternehmen machen gute Geschäfte und Aktienbewertungen sind unheimlich niedrig.“ Elena Shaftan, die für den Jupiter New Europe verantwortlich zeichnet, rechnet bis zum Ende des Sommers mit positiven Überraschungen vom russischen Markt. „Der russische Markt wird verkannt und leidet unter der negativen Wahrnehmung der russischen Politik“, so die Fondsmanagerin. In einem aktuellen Kommentar äußert sie sich nicht nur zu den ökonomischen Fundamentaldaten und zur Entwicklung am Finanzmarkt, sondern betrachtet auch den Privatisierungsprozess sowie die russische Politik im Allgemeinen.

Einige Zahlen deuten auf eine solide Entwicklung in Russland hin: Das Wirtschaftswachstum wird neuesten Prognosen zufolge 2012 bei vier Prozent liegen, Einzelhandelsumsätze sind im 1. Quartal um zehn Prozent gestiegen. Die Kreditvergabe an Privatpersonen hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 43 Prozent ausgeweitet, macht aber immer noch weniger als zehn Prozent gemessen an der Wirtschaftsleistung aus. Shaftan sieht darin eine „kräftige Triebfeder für langfristiges Wachstum“. Das Budget werde höchstwahrscheinlich ausgeglichen sein, die Investmentexpertin erwartet daher keinen zusätzlichen finanziellen Druck. Inflation ist mit 3,7 Prozent aktuell auf einem historisch niedrigen Niveau und wird höchstwahrscheinlich auch in naher Zukunft nicht wesentlich steigen.

Aktien mit "lächerlichen" Abschlägen

Shaftan weist darüber hinaus auf die „lächerlich niedrigen“ Bewertungen am Markt hin, russische Aktien werden momentan zu einem Discount von bis zu 50 Prozent gehandelt. Das globale Bild scheint derzeit keine großen Sprünge beim Risikoverhalten der Investoren zu erlauben, und nun stehen auch noch die an der Börse traditionell schwächeren Sommermonate bevor. Shaftan ist dennoch überzeugt, dass Russland aufgrund des robusten inländischen Ausblicks in den kommenden Wochen die Erwartungen der Marktteilnehmer übertreffen wird.

Quelle: Fondsprofessionell, 11.05.2012