Liquiditätswelle ist zum Tsunami ausgewachsen 

Für Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management, hat sich die globale Liquiditätswelle zu einem Tsunami ausgewachsen – so scheint es jedenfalls angesichts der zahlreichen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen, die seit Jahresanfang rund um den Globus ergriffen wurden. In dieser Woche lockerte die indische Zentralbank überraschend ihre Geldpolitik – und in der US-amerikanischen Zentralbank wurde die Argumentation für eine dritte Runde des Quantitative Easings (QE3) vorbereitet. Was die Eurozone betrifft, liegen die Schätzungen der Experten für die Nachfrage der Geschäftsbanken nach EZB-Liquidität im zweiten Dreijahrestender Ende Februar in einer Bandbreite von 200 Milliarden Euro bis zu drei Billionen Euro. Rein theoretisch könnten die Banken bis zu zehn Billionen Euro an Liquidität bei der EZB abrufen.

EU-Maßnahmen als weiterer Schritt zu stärkerer Integration
Obwohl am EU-Gipfel in der Causa Griechenland noch keine Entscheidung gefallen ist, gehen die EU-Regierungschefs mit ihren beschlossenen Maßnahmen – die Einigung auf den Fiskalpakt sowie den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) – nach Ansicht von Walk einen weiteren Schritt in Richtung einer stärkeren Integration in Europa.

Stimmungsverbesserung in der Realwirtschaft
In der kommenden Woche werden die Einkaufsmanagerindizes der Industrie und des Dienstleistungssektors aus allen wichtigen Regionen veröffentlicht. Die erwähnten umfangreichen Liquiditätsmaßnahmen seit Jahresanfang scheinen für den Metzler-Chefvolkswirten auch zu einer gewissen Stimmungsverbesserung in der Realwirtschaft geführt zu haben: "Vor allem in den Schwellenländern sehen wir aufgrund der verbesserten Kreditvergabebedingungen gute Chancen für eine Wirtschaftsbelebung in den kommenden Monaten. Dementsprechend erwarten wir tendenziell steigende Einkaufsmanager¬indizes."

In den USA scheint sich die hohe Wachstumsdynamik des vierten Quartals 2011 im ersten Quartal dieses Jahres fortzusetzen. Die nun veröffentlichten Zahlen für Dezember werden ein merkliches Beschäftigungswachstum und einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosenquote anzeigen.

Leitzinssenkung der EZB im Februar immer wahrscheinlicher
In der Eurozone könnte der Indikator zum Wirtschaftsvertrauen im Januar zum ersten Mal seit Februar 2011 wieder gestiegen sein. Laut dem Metzler-Experten dürfte dafür maßgeblich die überraschend kräftige Erholung der deutschen Wirtschaft im Januar gewesen sein. "Die deutsche Wirtschaft profitiert derzeit von einer robusten Binnennachfrage und einer anhaltend guten Entwicklung der Exporte in die Schwellenländer. Sie dürfte damit durch ihre höhere Importnachfrage die Volkswirtschaften der schwächeren europäischen Länder unterstützen. Darüber hinaus dürfte die erste Schätzung der Inflationsrate im Januar einen Rückgang von 2,8 Prozent im Dezember auf nun 2,6 zeigen zeigen. Die niedrigere Inflationsrate in Kombination mit dem im Dezember stark gesunkene Kreditvolumen in der Eurozone machen eine Leitzinssenkung der EZB im Februar immer wahrscheinlicher", so Walk abschließend.

Quelle: Bankhaus Metzler AM, 01.02.2012