Japan – wo geht die Reise hin? 

Nach der Europäischen Zentralbank EZB und der US-Notenbank Fed ist nun die Bank of Japan (BoJ) an der Reihe zu erklären, wo ihre geldpolitische Reise hingehen soll. Was Investoren erwarten dürfen, beleuchtet Torsten Gellert von FXCM in seinem aktuellen Kommentar.

Der Druck der japanischen Kollegen hat sich mit den Entscheidungen der US-Notenbank und der EZB, mit weiteren milliardenschweren Anleihekäufen die Wirtschaft zu stimulieren, um einiges erhöht. Und durch den japanischen Finanzminister Jun Azumi, der von der BoJ "angemessene Schritte zu richtigen Zeit" erwartet, kommt der Druck vom eigenen Land noch hinzu. Zusätzlich sprechen die Zahlen über die aktuelle Verfassung der japanischen Wirtschaft nicht gerade für Nippon, weshalb Gellert eine weitere Lockerung der geldpolitischen Zügel erwartet. Die Handelsbilanz ist seit Anfang 2011 negativ, im Juli fiel sie mit 517 Milliarden Yen (rund 5 Milliarden Euro) doppelt so hoch aus als erwartet. In das krisengeplagte Europa exportierte Japan ein Viertel weniger als noch ein Jahr zuvor. Gellert ist davon überzeugt, dass es für Japan nicht so einfach werden wird, schnell wieder in gewohnt hohe Überschüsse zurückzukehren.

Droht Japan die Pleite?
Auch vom einstigen Innovationsführer vor allem im Elektronikbereich ist nicht mehr viel übrig: In den vergangenen 20 Jahren hat sich Japans Anteil am Welthandel laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos in etwa halbiert. Das wird es für Japan schwer machen, bald wieder zu einer positiven Handelsbilanz zurückzukehren. Bedenke man den Schuldenberg von 230 Prozent des Bruttoinlandproduktes, wird sich das Land eine negative Handelsbilanz nicht lange leisten können. „Das funktionierte bislang nur, da der Großteil der Gläubiger aus dem eigenen Land kommt und sich der Staat momentan für unter einem Prozent Zinsen Geld leihen kann“, erklärt Gelelrt. Was aber wenn diese den Glauben an Nippon verlieren? Zumindest politisch sei Japan der Pleite schon sehr nah. „Weil die Opposition der Ausgabe neuer Staatsanleihen nicht zustimmt, droht Nippon im November die Zahlungsunfähigkeit“, so Gellert weiter.

Aufstockung des Anleihekaufprogramms
Die Notenpresse in Japan anzuwerfen, wird laut Gellert schwierig denn „ein weiter steigender Yen würde eventuelle Hoffnungen auf ein sich wieder zum Positiven wendenden Blatt gleich wieder im Keim ersticken.“ Er erwartet von der BoJ daher eine weitere Aufstockung des im internationalen Vergleich mit aktuell 70 Billionen Yen (rund. 700 Milliarden Euro) eher bescheidenen Anleihekaufprogramms. „Vor diesem Hintergrund bleibe ich bei meiner schon oft an dieser Stelle geäußerten Erwartung eines mittel- bis langfristig eher schwächeren Yen. Der Abwärtstrend gegenüber dem Euro könnte in den nächsten sechs bis zwölf Monaten bis auf 115 EUR/JPY weitergehen. Für den US-Dollar erwarte ich in diesem Zeitraum wieder Kurse von 85 Yen“, so Gellert abschließend.

Quelle: Fonds professionell, 18.09.2012