Italien forciert Ermittlungen gegen Ratingagenturen 

Am Freitag den 13. Januar hat die Ratingagentur S&P in einem Rundumschlag die Bonitätsnote mehrerer Euro-Staaten herabgestuft, was bei den betroffenen Ländern zu großer Verärgerung führte und die heftigen Diskussionen, die bereits seit Monaten mit Blick auf den Einfluss der drei großen Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch am Markt geführt werden, erneut befeuerte. Auch in Italien war man sehr erbost, dass die Bonität von A auf BBB+ gesenkt wurde und ist was S&P angeht bereits vor einiger Zeit selbst aktiv geworden.  Vor gut einer Woche hat die italienische Polizei die Geschäftsräume von S&P in Mailand durchsucht – und das bereits zum zweiten Mal (erste Razzia war im August 2011).

Hintergrund sind zum einen Ermittlungen, die im letzten Jahr eingeleitet wurden, nachdem es an der Mailänder Börse zu ungewöhnlichen Kursbewegungen gekommen war – sowie eine Prüfung, die in direktem Zusammenhang mit der erfolgten Herabstufung des Landes steht, wie Reuters berichtete. Demnach soll geprüft werden, ob vor der offiziellen Verkündung des Downgrades Insider-Informationen weitergegeben wurden, was von S&P bereits dementiert wurde, wie n-tv berichtet.

Auch Moody's verklagt
Neben einer Anzeigen gegen S&P ist bei der Staatsanwaltschaft im süditalienischen Trani in dieser Causa damals auch eine Anzeige gegen Moody's  eingereicht worden, die ebenfalls auf dem Verdacht gründet, das die Ratingagentur in ihrem Alltagsgeschäft gegen die Regeln des Geschäfts verstoßen hat. Initiiert wurden beide Anzeigen von Verbraucherverbänden.

Fitch "gesellt" sich an den Pranger
Mittlerweile hat die Ermittlungswut der Italiener auch Fitch erwischt, wo die Polizei Dokumente aus den Mailänder Geschäftsräumen beschlagnahmt hat, um ebenfalls den Verdacht zu überprüfen, ob die Agentur Marktmanipulation betrieben hat. Damit wurden die bereits laufenden Untersuchungen der Staatsanwaltschaft jetzt auf alle drei großen US-Ratingagenturen ausgeweitet. Gegenstand der bisherigen Untersuchungen ist, ob es im Zusammenhang mit der kürzlichen Herabstufung Italiens durch S&P zu unerlaubten Marktmanipulationen und der rechtswidrigen Verwendung von vertraulichen Informationen gekommen ist, wie es auf n-tv online heißt. Gleichzeitig werde zudem geprüft, welchen Einfluss die Italien-Berichte von S&P sowie von Moody's auf die Märkte hatten und ob ein Delikt begangen wurde. (ir)

Quelle: FONDS professionell, 26.01.2012