GfK: Die Talsohle der europäischen Finanzkrise scheint durchschritten 

Europa steckt in der Rezession. Allerdings gehen Experten davon aus, dass die Talsohle der Krise im Herbst vergangenen Jahres durchschritten wurde.

So lautet ein Ergebnis  des GfK Konsumklima Europa und USA für das vierte Quartal 2012. Auch die Verbraucher scheinen demnach das Gefühl zu haben, dass ein wirtschaftlicher Aufschwung Ende 2013, in manchen Ländern vielleicht auch etwas früher, wieder realistisch erscheint. Dementsprechend steigen die Konjunktur- sowie die Einkommenserwartung in den meisten Staaten wieder leicht an. Allerdings auf extrem niedrigem Niveau.

Da viele Verbraucher unter sinkenden Einkommen, steigenden Steuern und zumeist hoher Arbeitslosigkeit leiden, ist die Anschaffungsneigung dagegen in den meisten Ländern zum Jahresende hin abgesunken. Das sind Ergebnisse des GfK Konsumklima Europa und USA, das einen Überblick über die Entwicklung von Konjunktur- und Einkommenserwartung sowie der Anschaffungsneigung der Konsumenten in zwölf europäischen Staaten sowie den USA gibt.

Das Jahr 2012 war kein gutes für Europa. Die Euro-Zone ist nach drei Jahren wieder in die Rezession gerutscht. Dabei hat sich innerhalb Europas eine große Kluft entwickelt: Während der Süden und Osten Europas mit zum Teil extrem hoher Arbeitslosigkeit und zunehmender Armut zu kämpfen hat, stehen die Menschen in den nördlichen Staaten trotz der Krise gut da. Diese tiefe Spaltung zeigen auch die jüngsten Zahlen vom Arbeitsmarkt. In Österreich, Luxemburg, Deutschland und den Niederlanden liegen die Arbeitslosenquoten – gemessen nach dem internationalen ILO-Standard – bei vergleichsweise niedrigen 4,5 bis 5,6 Prozent. In Spanien und Griechenland hat dagegen jeder Vierte keinen Job. Insgesamt stehen in den 17 Ländern der Euro-Zone 18,8 Millionen Menschen auf der Straße.

Trotzdem hat sich die Wirtschaftsstimmung zum zweiten Mal in Folge aufgehellt, wie der Economic Sentiment Index (ESI) zeigt. Das Barometer stieg von November auf Dezember unerwartet stark um 1,3 Punkte auf 87 Zähler – der höchste Stand seit fast einem halben Jahr. Auch die Reformen in den Krisennationen tragen nach Ansicht von Volkswirten erste Früchte. Zwar sank in den Krisenländern die Wirtschaftskraft in den vergangenen fünf Jahren deutlich. In Griechenland beispielsweise schrumpfte das BIP seit 2008 um 21 Prozent, die Investitionen haben sich halbiert, die Importe gingen um ein Drittel zurück.

Bei den nationalen Leistungsbilanzen hat sich in den vergangenen vier Jahren der Abstand zwischen Deutschland mit dem höchsten Überschuss und Griechenland mit dem größten Defizit beinahe halbiert. Doch diese ersten vorsichtigen Anzeichen, dass die Krise in den nächsten Jahren überwunden werden
kann, stehen alle unter einer Voraussetzung. Die Krise darf nicht noch einmal eskalieren. Die Krisenstaaten dürfen sich jedoch auf diesen ersten Erfolgen nicht ausruhen, sondern müssen die Reformen weiterführen. Und die nationalen Haushalte müssen weiter konsolidiert werden – in allen Ländern der EU.

Quelle: König & Cie., 11.02.2013