EU vereinfacht die Abwicklung von Erbschaften 

In Zukunft werden nach einer aktuellen EU-Entscheidung Erbschaften international leichter abzuwickeln sein. In der Vergangenheit haben pro Jahr immerhin zehn Prozent aller Erbfälle in Europa einen grenzüberschreitenden Bezug - in etwa 450.000 Erbfälle mit einem Nachlasswert von ca. 120 Milliarden Euro.

Am vergangenen Donnerstag haben die EU-Länder in Luxemburg eine neue Verordnung verabschiedet, nach der bei internationalen Erbschaften künftig nur noch die Rechtsordnung und die Behörden eines einzigen Landes zuständig sein sollen.

Hierbei entscheidet der letzte Lebensmittelpunkt des Erblassers oder die Entscheidung, die der Erblasser noch zu Lebzeiten getroffen hat. Für alle Menschen, die auf Dauer in Deutschland leben und dann versterben, gilt also deutsches Erbrecht, gleichgültig welche Staatsangehörigkeit sie besitzen.

Durch ein Testament oder einen Erbvertrag kann der Erblasser stattdessen auch das Erbecht des Staates wählen, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt. Zum Beispiel kann ein dauerhaft auf Mallorca lebender Deutscher deutsches Erbrecht wählen. Dann wird er nach deutschem Recht beerbt. Wenn er dagegen keine Rechtswahl trifft, kommt künftig spanisches Erbrecht zur Anwendung, wenn der letzte gewöhnliche Aufenthalt Mallorca war.

Die neue Verordnung führt außerdem ein „Europäisches Nachlasszeugnis“ ein, das in allen Mitgliedstaaten der Verordnung einheitlich gilt. Damit können Erben und Testamentsvollstrecker in allen Mitgliedstaaten, in denen die Verordnung gilt, ihre Rechtsstellung einheitlich nachweisen. Darüber hinaus werden die nationalen Erbnachweise der Mitgliedstaaten, zum Beispiel der deutsche Erbschein, in den anderen Mitgliedstaaten nach den Regeln der Verordnung anerkannt. Erben müssen also künftig nicht mehr in jedem Mitgliedstaat einen neuen Erbnachweis beantragen. Die Verordnung wird im Laufe des Jahres 2015 zur Anwendung kommen.

11.06.2012