EU erlässt strengere Regeln für Ratingagenturen 

Ratingagenturen müssen sich in Europa künftig einer strengeren Kontrolle unterziehen. Das sehen neue Regeln vor, auf die sich die EU-Länder und das Europäische Parlament am Dienstag einigten, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet. Ziel ist es, die Bonitätsprüfer für ihre Notenvergabe stärker zur Verantwortung ziehen zu können. So sollen Klagen leichter gemacht und den Agenturen mehr Transparenz auferlegt werden. Die Vorschriften werden einem EU-Vertreter zufolge frühestens im kommenden Jahr in Kraft treten.

Zentrales Anliegen der neuen Vorgaben sind schärfere Vorgaben für die Notenveröffentlichung. Die Agenturen müssen in einem Kalender festlegen, wann sie Ratings vergeben. Deren Bekanntgabe soll außerhalb der Handelszeiten und auf einer europäischen Plattform erfolgen. Kritiker moniweren aber, dass die Regeln im Zuge der Verhandlungen aufgeweicht wurden. Vom Tisch ist etwa die Forderung, Länder-Bewertungen auszusetzen, solange Rettungsprogramme organisiert werden. Abgeschwächt wurde der Vorschlag, Anleihe-Emittenten eine Rotation der Ratingagenturen vorzuschreiben.

Diese Entscheidung ist von Bedeutung, weil die drei großen amerikanischen Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch spätestens seit dem Finanzcrash 2008 in der Kritik stehen, hochriskanten und komplexen Finanzderivaten zu gute Noten gegeben zu haben. Ein anderer Vorwurf besagt, dass in der Euro-Krise manche Länder-Ratings zu äußerst sensiblen Zeitpunkten herabgestuft wurden. Daher wurden die Agenturen in der Vergangenheit auch immer wieder vor amerikanischen Gerichten auf Schadensersatz verklagt, bislang aber ohn Erfolg. Allerdings hat im August ein Gericht eine Investorenklage gegen S&P und Moody's zugelassen. Und in Australien ist vor kurzem S&P wegen einer irreführenden Bewertung zu Schadensersatz verurteilt worden.

Quelle: Fonds professionell, 28.11.2012