Der Franken ist frei 

Überraschung in der Schweiz: Die SNB hat den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufgehoben und schickt die Märkte auf Talfahrt.

Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat den vor drei Jahren eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken überraschend aufgehoben. Zudem senkte sie die Negativzinsen um 0,5 Punkte auf minus 0,75 Prozent, um die Flucht in den Franken weniger attraktiv zu machen. 

Der Schweizer Franken reagierte umgehend und legte teilweise um mehr als 35 Prozent zu, pendelte sich dann aber auf knapp unter einem Euro ein. Anleger hatten eine solche Maßnahme nicht erwartet und verließen fluchtartig die Märkte. Die Folge: Der deutsche Aktienindex DAX rauschte um rund 250 Punkte (1,7 Prozent) in den Keller, konnte sich aber wieder fangen. Der Euro fiel auf unter 1,17 US-Dollar. Die Schweizer Börse schmierte um sechs Prozent ab. 

„Das ist eine Kapitulation“, zitiert „Handelsblatt online“ Janwillem Acket, Chefökonom von Julius Bär. „Die Notenbank musste seit Jahresbeginn offenbar ständig intervenieren, das wurde ihr vermutlich zu teuer.“ Der Schritt der SNB wirke für ihn unüberlegt. „Ich hätte zunächst den Negativzins weiter gesenkt, bevor ich die Kursgrenze aufhebe.“ Helaba-Analyst Ulrich Wortberg erwartet einen Verlust der Glaubwürdigkeit der SNB, da sie in den vergangenen Monaten stets die vehemente Verteidigung der Untergrenze betont habe. Seine Erwartung: „Der Euro-Franken-Kurs wird nun den Marktkräften überlassen und es dürften sich Kurse im Bereich der Parität einstellen.“ 

Auch die SNB selbst meldete sich in einer ersten Stellungnahme zu Wort und erklärte, dass der Franken zwar hoch bewertet bleibe. Die Überbewertung habe sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt aber reduziert. „Die Wirtschaft konnte diese Phase nutzen, um sich auf die neue Situation einzustellen. Außerdem sind die Unterschiede in der Geldpolitik in den bedeutenden Währungsräumen gestiegen.“

Quelle: Fondconsult, 15.01.2015