Brexit 

Eine Insel…

… hat abgestimmt und das eigene Land gespalten. Während sich die eine Hälfte (48,1 %) von „diesen faltigen Bastarden … richtig beschissen“ (Giles Coren, Journalist) und um „ihre Zukunft betrogen fühlt“, sieht sich die andere Hälfte (51,9 %) „aus dem Knast der Europäischen Union befreit“ (Boris Johnson, ehemaliger Londoner Bürgermeister).

… hat deutlich gemacht, wie wichtig es ist, wählen zu gehen und das eigene Stimmrecht auszuüben. Von den 18- bis 24-jährigen Briten hat nur ein Drittel gewählt, von den 55 bis 64-Jährigen dagegen 90 %.

… sagt tschüss, doch raus ist sie noch lange nicht. Die Regierung muss nun den Antrag zum Austritt Großbritanniens aus der EU stellen und sich auf Artikel 50 des Lissabon-Vertrags berufen. Erst dann gibt es kein Zurück mehr, und es bleiben 2 Jahre Zeit für einen geordneten Austritt. Danach fliegt Großbritannien automatisch raus. Premierminister Cameron wird diesen Antrag nicht stellen. Im Parlament haben sich von den 650 Unterhausabgeordneten 450 für einen Verbleib in der EU ausgesprochen. Und selbst Boris Johnson hat es plötzlich nicht mehr so eilig: „Es gibt keinen Grund, Artikel 50 zu aktivieren,“ meinte er nach Verkündung des Abstimmungsergebnisses.

… ist quasi ohne Führung. Premier Cameron tritt zum Oktober zurück, 11 Minister des Schattenkabinetts der Labour-Opposition erklärten ebenfalls ihren Rücktritt. Der britische EU-Finanzkommissar Jonathan Hill will auch nicht mehr und legte sein Amt nieder. Eine neue Regierung wird es schwer haben. Sie hat immer 50 % der Bevölkerung gegen sich.

… bringt Schottland dazu, sich von Großbritannien loszusagen, um in der EU zu bleiben. Aber auch in Old Britain wollen viele zurück ans Licht. Mehr als 3,4 Mio. Menschen hatten bis Sonntagabend eine Petition für eine neue Brexit-Abstimmung unterschrieben.

… (n)irgendwo …

… hat eine eigene Hauptstadt London um ihre Bedeutung gebracht. Der Hauptsitz der geplanten Börsenfusion aus Londoner und Deutscher Börse wird nicht mehr London sein. Europas Finanzzentrum wird auch künftig innerhalb der EU-Grenzen liegen, und damit nicht mehr in London. Die EU-Regulierungsbehörde EBA wird London wohl ebenfalls verlassen müssen, so auch die europäische Arzneimittelaufsicht EMA. Hunderttausende Briten haben daher Londons Bürgermeister Sadiq Khan aufgefordert, Londons Unabhängigkeit auszurufen.

… wird sich daran gewöhnen müssen, nicht mehr zum Club der führenden Europäer dazuzugehören. Bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs am Mittwoch waren nur 27 Staaten geladen, Großbritannien nicht.

… hat Brüssel den Spiegel der Arroganz und Dummheit vorgehalten und deutlich gemacht, dass die EU so nicht weitermachen darf. Bürokratie, planwirtschaftliche Gängelei und Volksentfremdung müssen aufhören.

… hat die Finanzmärkte auf dem falschen Fuß erwischt und 95 Mrd. Euro im DAX komplett ausradiert. Weltweit wurden 5 Billionen Dollar Börsenwert vernichtet – Großbritanniens Wirtschaftsleistung von 2 Jahren!

… hat die eigene Währung zum Absturz gebracht. Das britische Pfund verlor in der Spitze 13 % zum US-Dollar und fiel auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren.

… hat die US-Zinswende weiter nach hinten verschoben.

… hat die europäischen Notenbanken zu einem gemeinsamen Handeln veranlasst. Die Europäische Zentralbank, aber auch die Fed und die Bank of Japan haben sich geeinigt, im Falle eines Brexit ausreichend Liquidität zur Verfügung zu stellen. Sie sollen einen Pool gebildet haben, aus dem sie die Märkte schnell und unbürokratisch mit genügend Kapital versorgen, aber auch durch Stützungskäufe in allen Asset-Klassen vor einem Crash bewahren können. Am Freitag hatte bereits die Schweizer Notenbank mit Interventionen den Höhenflug des Franken abgebremst, und die Bank von England garantierte mit 250 Mrd. Pfund die Geldversorgung der Geschäftsbanken.

… hat sich selbst belogen. „Zu sagen, dass wir die 350 Mio. Pfund, die wir wöchentlich in die EU überweisen, in unser Gesundheitssystem stecken werden, war einer der größten Fehler, den wir als Brexit-Befürworter machen konnten“, erklärte Nigel Farage, UKIP, in einem Interview. Und „es war ein noch größerer Fehler von den Leuten, uns deshalb zu wählen.“

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