Bankgebühren: "Strafzins"-Lager wird größer 

Extra-Entgelte fürs Guthaben: Noch bleiben Bankkunden davon weitgehend verschont. Doch die Front bröckelt. Vor allem im Genossen- und Sparkassensektor mehren sich die Fälle kaschierter "Strafzinsen". Und auch einige Privatbanken muten ihrer vermögenden Kundschaft Verwahrgebühren zu.

Die Volksbank Niederschlesien tut es ebenso wie die Volksbank Stendal. Die Altenburger Skatbank aus Thüringen startete damit bereits im vergangenen Jahr, die Raiffeisenbank Gmund zog kurz darauf nach: All diese Institute verlangen von Sparern mehr oder weniger offen "Extra-Gebühren" auf Einlagen, die de facto einem "Strafzins" gleichkommen. Und der breitet sich immer weiter aus.

Im neuen Jahr werden die Stadtsparkasse München, die Sparkasse Allgäu und die Hamburger Volksbank dem Beispiel folgen. Von entsprechenden Pläne will die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) erfahren haben. So habe die Stadtsparkasse München vor, vom 1. April an von Firmenkunden und institutionellen Anlegern ab Einlagen von 250.000 Euro aufwärts ein sogenanntes "Verwahrentgelt" in Höhe von 0,4 Prozent zu verlangen. Einen entsprechenden Bericht des Internetvergleichsportals Biallo bestätigte die Sparkasse der FAZ: "Nachdem bereits andere Banken dazu übergegangen sind, höhere Einlagenbeträge mit einem Verwahrentgelt zu versehen, waren wir gezwungen, nachzuziehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Instituts, Ralf Fleischer, gegenüber der Zeitung.

Schon per 1. Januar führt die Sparkasse Allgäu mit Sitz in Kempten als eine der ersten Sparkassen in Deutschland ein Extra-Verwahrentgelt für Geschäftskunden ein. Diese sollen oberhalb eines Freibetrags von 250.000 Euro künftig 0,4 Prozent im Jahr zahlen. Bei den mehr als 400 Sparkassen in Deutschland sei das allgemein ein Thema – die überwiegende Mehrheit führe schon Gespräche mit großen Kunden, sagte Vorstandschef Manfred Hegedüs der FAZ: "Wir gehören nur zu den Ersten, die das in so einer öffentlichen Form umsetzen."

Sondergebühren für alle
Die Hamburger Volksbank erwägt indes, Negativzinsen auf alle Tagesgeldkonten einzuführen – wenn auch erst für noch höheren Einlagesummen. Geprüft werde, für Beträge von mehr als 500.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto einen Negativzins von 0,2 Prozent zu erheben. Das sagte Vorstandssprecher Reiner Brüggestrat dem "Hamburger Abendblatt“. Zunächst werde man allerdings mit den betreffenden Kunden darüber sprechen, ob es für so große Geldbeträge nicht sinnvollere Anlageformen gebe – etwa Festgeld oder Wertpapiere. "Wir reden nicht über Negativzinsen auf das Giro- oder das Sparkonto", stellte Brüggestrat klar.

Vermögende Klientel zur Kasse gebeten
Auch im Privatbankensektor beginnt man, umzudenken – ohne die gutbetuchte Klientel zu vergraulen. So hat das Bankhaus Berenberg gegenüber der FAZ eingeräumt, wenn ein Privat- oder Firmenkunde zweistellige Millionenbeträge parke, so prüfe die Bank, ob sie die entstehenden Kosten weitergebe. Pauschale Negativzinsen erhebe sie aber nicht. Das Privatbankhaus M. M. Warburg nehme zwar von Privatkunden keine Negativzinsen, wohl aber von institutionellen Kunden und Firmen. Das Bankhaus Metzler in Frankfurt führte auf FAZ-Anfrage aus, im Rahmen seiner Vermögensverwaltung erhebe es keine negativen Zinsen.

Noch bleiben Bankkunden mit herkömmlichen Geldbeuteln von Negativzinsen weitgehend verschont. Und noch zieren sich Bankmanager mehrheitlich, den Begriff "Negativzins" überhaupt in den Mund zu nehmen. Wohlwissend, dass deutschen Privatsparern für Strafzinsen oder Extra-Gebühren jedes Verständnis fehlt, wie eine GfK-Umfrage im Auftrag des Berliner Online-Finanzmarktplatzes Savedo vom September zeigt.

Eine Ausnahme, die die Regel bestätigt, bilden die Kunden der genossenschaftlichen Ethik-Bank GLS: Sie haben sich auf der jüngsten Mitgliederversammlung am 10. Dezember mehrheitlich dafür ausgesprochen, künftig zusätzlich zu den Kontogebühren fünf Euro pro Monat oder satte 60 Euro pro Jahr zu berappen.

Quelle: Fonds professionell, 28.12.2016