Banken und Investoren jagen Anlegern die Schiffe ab 

Banken wie die HSH oder die Commerzbank gehen ihr Milliardenproblem mit faulen Schiffskrediten neuerdings offensiver an. Und internationale Investoren und Reeder jagen Schnäppchen am kriselnden Frachtermarkt. Leidtragende sind die Anleger hunderter Schiffsfonds.

Hamburg - "Das Interesse ist riesig", sagt Wolfgang Topp, Generalbevollmächtigter der HSH Nordbank. "Seit Veröffentlichung des Navios-Deals hatte ich mindestens 25 Anrufe von Investoren aus dem In- und Ausland, die in den Schiffsmarkt investieren wollen."

Der Name der griechischstämmigen Reederei Navios steht in diesem Fall als Synonym für einen neuen Ansatz der HSH Nordbank im Umgang mit maroden Schiffskrediten. Wurde in den vergangenen fünf Jahren der anhaltenden Krise an den Schifffahrtsmärkten in vielen Fällen notleidender Container- und Massengutfrachter sowie Tanker geduldig mit Reedern, Emissionshäusern und Fondsanlegern über die Finanzierungen verhandelt, so hat die Landesbank nun einen Weg gefunden, sich solcher Probleme schneller zu entledigen.

Erstmals wird dieser Weg gegenwärtig gemeinsam mit der Reederei Navios beschritten, die der HSH hilft, zehn insolvenzgefährdete Schiffe zum Großteil aus den Büchern zu bekommen. Dabei übernimmt Navios von den noch bestehenden Darlehen in Höhe von insgesamt 300 Millionen US-Dollar zunächst 130 Millionen Dollar. Die verbleibenden 170 Millionen Dollar Altkredit verwandelt die HSH in einen sogenannten "Participating loan".

Die Navios-Gruppe ihrerseits besorgt sich 120 Millionen Dollar ihres 130-Millionen-Einsatzes von einer weiteren Bank, so dass das tatsächliche Cash-Engagement der Griechen bei lediglich zehn Millionen Dollar liegt.

Fonds können der Pleite entgehen

Im Ergebnis kommt Navios auf diese Weise elegant und aufgrund der Marktkrise ziemlich günstig in den Besitz von fünf Containerschiffen und fünf Tankern. Für die HSH liegt der Vorteil des Deals darin, dass ausfallgefährdete Schiffskredite in Höhe von 130 Millionen Dollar aus ihren Büchern verschwinden. Damit kommt das angeschlagene Institut, das vom Staat bereits mit Milliarden gestützt werden muss, auch den Auflagen der Europäischen Union (EU) nach, seine Kreditengagements massiv abzubauen. Gleichzeitig bleibt die HSH über den "Participating loan" bei den Schiffen weiterhin engagiert.

Es stellt sich allerdings die Frage, wie die Alteigentümer eine solche Abwicklung beurteilen. Allein drei der zehn fraglichen Schiffe befanden sich über Schiffsfonds zuvor im Besitz von Privatanlegern, weitere gehörten Reedereien. Sie alle verlieren durch den Deal nun ihr Eigentum.

Nach Ansicht von HSH-Manager Topp stehen sie damit aber nicht unbedingt schlecht da. "Diese Art der Transaktion kommt nur für Schiffe in Frage, für die alle anderen Restrukturierungsversuche gescheitert sind", sagt er im Gespräch mit manager magazin online. "Das heißt, die Schiffe verdienen zu wenig Geld und von den Alteigentümern ist auch kein frisches Kapital zu bekommen. Ohne unsere Transaktion würden solche Schiffe in die Insolvenz gehen."

Der Vorteil der Navios-Lösung für Fondsanleger liegt laut Topp darin, dass ihnen die HSH die Schiffe nicht zum Marktwert abnimmt, sondern zu den nominalen Darlehenswerten. So bekommen Emissionshäuser die Möglichkeit, betroffene Fonds vergleichsweise geräuschlos abzuwickeln - eine Insolvenz, die meist auch dazu führen würde, dass bereits erhaltene Ausschüttungen von den Investoren zurückgezahlt werden müssen, wird vermieden

Quelle: Manager-Magazin, 07.06.2013