Am Ende steht ein schwächerer Yen 

In Japan führt, Torsten Gellert von Forex Capital Markets zufolge, kein Weg an einem aggressiven Kurs der Notenbank vorbei. Denn das Land stecke mittendrin in einer der schwersten Krisen – mit zu jetzigem Zeitpunkt nicht absehbaren Folgen.

"Wenn es sein muss, auch unter Null." Diese Worte von Shinzo Abe, dem potenziellen Nachfolger von Premier Yoshihiko Noda (der Oppositionschef und seine Partei liegen in den Umfragen vier Wochen vor den Wahlen klar vorne) im Bezug auf den Leitzins gäben ganz klar die Marschrichtung für 2013 vor – sagt Torsten Gellert, Managing Director bei Forex Capital Markets (FXCM). Geht es nach Abe werde die Bank of Japan zukünftig nicht mehr in völliger Unabhängigkeit zur Politik agieren. "In meinen Augen führt kein Weg an der vom zukünftigen starken Mann in Japan angestrebten aggressiven Geldpolitik vorbei", so Gellert.

Zwar hat die scheidende Regierung angekündigt, noch in diesem Monat ein Konjunkturprogramm auf den Weg zu bringen, wenngleich die Finanzierung noch fraglich ist. Das dieses seine Wirkung noch bis Weihnachten entfalten wird, sei jedoch höchst unwahrscheinlich. Damit wäre auch die dritte Rezession in nur vier Jahren nicht mehr zu verhindern. "Die Wirtschaft wird also auch im laufenden Quartal schrumpfen und dann befindet sich Japan nach der allgemeinen Definition von zwei aufeinanderfolgenden Minus-Quartalen in der Rezession", erklärt Gellert.

Japans Notenbank in der Pflicht

Nun stellt sich die Frage, ob eine neue Regierung der Wirtschaft neues Leben einhauchen kann und sich im kommenden Jahr das Blatt wendet. "Wenn die Rufe des Noch-Oppositionsführers Abe nach der Notenbank zur Finanzierung höherer Staatsausgaben zur Ankurbelung der stagnierenden Wirtschaft das einzige sind, was den Kurs ab Dezember bestimmen soll, schätze ich die Chancen für Nippons Trendwende als sehr gering ein", so Gellert. 

Zwar könne eine solche Politik die Finanzmärkte beruhigen und sogar beflügeln – tatsächlich ist der Nikkei in den vergangenen Tagen in Vorfreude auf die Neuwahlen und der damit verbundenen Hoffnung auf noch mehr Yen aus der Notenpresse wieder über die Marke von 9.000 Punkte gestiegen. Aber die Frage, ob und in welchem Ausmaß das Geld am Ende tatsächlich in der realen Wirtschaft ankommt, werde auch in Japan vermutlich erst sehr viel später beantwortet werden können. 

Verhältnisse verschieben sich

"Der Wettlauf um die schwächste Währung geht also in die nächste Runde und hier könnte Japan nach einer langen Verlustserie als Sieger vom Platz gehen", so der Devisenexperte. Denn so langsam aber sicher zeichne sich an den Deivsenmärkten eine Wende ab. Bislang könne man die Versuche der Exportnation Japan, im Wettlauf um die schwächste Währung ihren Yen zu drücken, um günstiger exportieren zu können, wohl als gescheitert betrachten. Das allerdings könnte und sollte sich nun laut Gellert ändern. (dw)

Quelle: Fonds professionell, 21.11.2012